Mittwoch, 18 Uhr im Büro. Die Präsentation für morgen früh ist noch nicht begonnen. Also PowerPoint auf, und dort steht schon freundlich „Titel hier eingeben“ und darunter „Text hier eingeben“, mit einem kleinen Punkt davor. Zwei Stunden später ist die Präsentation fertig: 30 Folien, jede mit sechs Aufzählungspunkten. Alles dabei.
Am nächsten Morgen passiert, was immer passiert. Das Publikum liest. Es ist schneller fertig als du. Es schaut aufs Handy. Und am Ende erinnert sich niemand an irgendeinen der 180 Punkte.
Bullets kill, so do Bullet Points
Im Englischen heißen Aufzählungszeichen „Bullet Points“, wörtlich Kugelpunkte. Der Spruch „Bullets kill, so do Bullet Points“ bringt es auf den Punkt: Kugeln töten Menschen, Bullet Points töten die Aufmerksamkeit. Und wer nicht aufmerksam ist, kann sich nichts merken.
Die Kette ist einfach: Aufmerksamkeit weg, Konzentration auf andere Dinge, Erinnerung an die Präsentation gleich null. Im Englischen hat das Phänomen einen eigenen Namen: Death by PowerPoint.
Bei MCPREZI arbeiten wir deshalb nach einem klaren Prinzip: strictly no bullet points. Das gilt in Prezi und in PowerPoint, auch wenn PowerPoint einen bei jeder neuen Folie geradezu einlädt, Aufzählungen zu füllen.
Warum Aufzählungszeichen nicht funktionieren
Lesen und Zuhören gleichzeitig geht nicht
Dein Publikum kann nicht gleichzeitig lesen und dir zuhören. Sobald Text auf der Folie steht, beginnt es zu lesen. Entweder es hört dir in dieser Zeit nicht zu, oder es liest nicht fertig. Beides schwächt deine Botschaft.
Alles ist gleich wichtig, also nichts
In einer Aufzählung steht jeder Punkt gleich groß, gleich weit eingerückt, mit demselben kleinen Punkt davor. Das Wichtigste sieht genauso aus wie das Unwichtigste. Dein Publikum muss selbst herausfinden, worauf es ankommt, und entscheidet sich oft falsch.
Die Folie wird zum Spickzettel
Aufzählungspunkte entstehen meistens nicht für das Publikum, sondern für die Person, die präsentiert. Sie sind eine Gedächtnisstütze. Das Ergebnis: Man liest vor, verliert den Blickkontakt und wirkt unsicher. Spickzettel gehören in die Hand oder in die Referentenansicht, nicht auf die Leinwand.
Aufzählungen haben keine Story
Eine Liste verbindet Gedanken nur mit einem Absatz. Sie sagt nicht, warum Punkt drei auf Punkt zwei folgt oder was daraus folgt. Eine Präsentation lebt aber genau von diesen Verbindungen: von Ursache und Wirkung, von Problem und Lösung, von Spannung und Auflösung.
6 Alternativen zu Bullet Points
1. Eine Aussage pro Folie
Statt sechs Punkten auf einer Folie: sechs Folien mit je einer Aussage. Das klingt nach mehr Arbeit, ist aber schneller präsentiert und viel leichter zu verstehen. Die Überschrift ist ein ganzer Satz, der die Aussage enthält.
2. Ein Bild, das die Botschaft trägt
Ein gutes Bild ersetzt einen Absatz. Es muss aber etwas bedeuten: ein echtes Foto aus dem Projekt, eine Situation, die das Problem zeigt, ein Symbol, das hängen bleibt. Mehr dazu im Beitrag Gutes Präsentationsdesign.
3. Die eine große Zahl
Wenn du über Zahlen sprichst, zeig die eine, auf die es ankommt. Groß, allein auf der Folie, mit einem kurzen Satz, was sie bedeutet. Die übrigen 39 Zahlen gehören in die Unterlage.
4. Ein einfaches Diagramm
Zusammenhänge, Entwicklungen und Vergleiche sind als Grafik oft sofort verständlich, als Text nie. Die Überschrift sagt, was man sehen soll, und das Entscheidende ist hervorgehoben.
5. Schritt für Schritt aufbauen
Wenn du wirklich eine Liste brauchst, zeig die Punkte nacheinander und sprich über jeden einzeln. So bestimmst du, worüber dein Publikum gerade nachdenkt. Am besten mit Symbolen oder Bildern statt mit Text.
6. Der Zoom in Prezi
In Prezi brauchst du keine Aufzählung, um mehrere Punkte zu zeigen. Die Themen liegen nebeneinander auf der Leinwand, du zeigst zuerst den Überblick und zoomst dann in jedes Thema. Dein Publikum sieht dabei immer, wo ein Punkt hingehört. Genau so ist das Prinzip „strictly no bullet points“ bei uns entstanden.
Und wohin mit den Details?
Die häufigste Sorge: „Aber die Informationen müssen doch irgendwo stehen!“ Ja. Nur nicht auf der Folie, die du präsentierst.
Trenne zwei Dinge, die oft in einer Datei vermischt werden:
- Die Präsentation ist für den Moment, in dem du sprichst. Sie unterstützt dich, sie ersetzt dich nicht.
- Die Unterlage ist zum Nachlesen. Hier dürfen Text, Tabellen und Aufzählungen stehen, so viele du willst.
Wer beides in eine Datei packt, bekommt eine Präsentation, die man nicht präsentieren kann, und eine Unterlage, die man nicht lesen will.
Fazit
Die beste Präsentation kommt ganz ohne Bullet Points aus. Eine Aussage pro Folie, Bilder mit Bedeutung, große Zahlen, einfache Diagramme oder der Zoom in Prezi tragen eine Botschaft besser als jede Aufzählung. Die Details gehören in die Unterlage. Wenn du beim nächsten Mal „Text hier eingeben“ siehst, denk an die Kugeln und an dein Publikum.
Häufige Fragen
Warum sind Bullet Points in Präsentationen schlecht?
Weil sie Folien zu Textdokumenten machen. Das Publikum liest die Punkte, statt zuzuhören, und ist meist schneller fertig als die Person, die spricht. Jede Aufzählung wirkt gleich wichtig, nichts bleibt hängen. Im Englischen nennt man das „Death by PowerPoint“.
Was kann ich statt Bullet Points verwenden?
Eine Aussage pro Folie, ein Bild, das die Botschaft trägt, eine große Zahl, ein einfaches Diagramm, einen Aufbau Schritt für Schritt oder in Prezi den Zoom vom Überblick ins Detail. Die Details, die vorher in den Aufzählungen standen, kommen in eine Unterlage zum Nachlesen.
Sind Bullet Points jemals in Ordnung?
In Unterlagen zum Nachlesen, in Handouts und in internen Arbeitsdokumenten ja. Auf einer Folie, die du vor Publikum präsentierst, fast nie. Wenn du eine Liste brauchst, zeig die Punkte einzeln nacheinander und sprich über jeden.
Was bedeutet „Death by PowerPoint“?
Der Ausdruck beschreibt Präsentationen, bei denen Folie auf Folie voller Text und Aufzählungen folgt, bis das Publikum innerlich abschaltet. Das Problem ist nicht PowerPoint selbst, sondern die Art, wie es benutzt wird.